top of page

Entwicklungstrauma und Burnout

Eine Umfrage der SRG zeigt, dass sich aktuell hunderttausende in der Schweiz als #Burnout gefährdet erleben. Die Arbeitgebenden kostet dieses Leiden eine enorme Summe. Für die Betroffenen bedeutet ein Burnout grosses Leid. In manchen der Fälle steckt ein Entwicklungstrauma dahinter.

Was unter einem Entwicklungstrauma zu verstehen ist, wie es entsteht, welche Symptome es zeigt und welche gesundheitlichen Auswirkungen ein Entwicklungstrauma hat, sind unter anderem Themen der kommenden Blog-Beiträge.

 


Nutze das Angebot: 5 Beratungstermine zum halben Preis.

Melde dich an über das Kontaktformular https://www.jill-keiser.com/kontakt

 

Liebe Leser:innen

Es ist mir eine grosse Freude, dass ich eure Aufmerksamkeit für das Entwicklungstrauma gewinnen konnte. Entwicklungstrauma oder auch komplexe posttraumatische Belastungsstörung (#kPTBS) genannt, ist eine Form des Traumas, das meiner Ansicht nach noch zu oft unerkannt bleibt und für die Betroffenen viel Schmerz, Leid und wiederkehrenden Missbrauch bedeutet. Dies ist alles nicht notwendig, wenn wir hinsehen, verstehen und einen Umgang mit dem Entwicklungstrauma finden. Dies gilt für direkt und indirekt betroffene Personen eines Entwicklungstraumas.

Lasst mich an Beispielen erzählen, wie ein Entwicklungstrauma entsteht, welch beschwerlichen Weg viele Betroffene gehen müssen, bis sie erkennen, was der Grund ihrer Leiden und Verhaltensweisen ist. Viele haben bereits einen langen schmerzhaften Weg von wiederholenden Missbräuchen, #Mobbing, Burnout, verletzenden Beziehungen und körperlichen Beschwerden und Krankheiten hinter sich, bevor sie lernen, dass sie an einem Entwicklungstrauma beziehungsweise an einer kPTBS leiden. Die Blog-Beiträge sind auf wahren Begebenheiten aufgebaut. Die Geschichten und Namen wurden verändert, um den Persönlichkeitsschutz zu wahren.


Samira - ein Leidensweg, der noch kein Ende gefunden hat

Samira wurde in den 70er Jahren geboren und wächst als zweites Kind einer vierköpfigen Familie auf. Ihr Bruder ist zwei Jahre älter. Die Eltern leben eine klassische Rollenteilung. Der Vater geht zur Arbeit, die Mutter bleibt zuhause und sorgt für Haushalt und Kinder. Der ältere Bruder wird von der Mutter bevorzugt, erfährt ihre Unterstützung und Zuneigung, während die Bedürfnisse von Samira von der Mutter negiert und nicht berücksichtigt werden. Der Vater ist mit beiden liebevoll, aber interagiert nicht gegen das Verhalten der Mutter. Samira wohnt bis zum Abschluss ihrer Aus- und Weiterbildung zuhause. Samira arbeitet viel und intensiv, ist beruflich erfolgreich und bei der Arbeit gut integriert. Insgesamt arbeitet Samira gut 20 Jahre im gleichen Berufsfeld, bis sie ein Burnout erleidet, ihre Anstellung aufgibt und ihre Ehe in die Brüche geht.

Wie es zu diesem Burnout kam, was die Treiber dahinter sind, von welcher Beziehungs-qualität ihre Ehe war, und wie sich Samira helfen kann, gehen wir in diesem Blog nach und nach auf den Grund.


Beginnen wir zuhause mit dem Verhalten der Mutter. Samira erlebt durch die Mutter konstante Abwertung, Beschämung und Missachtung ihrer Bedürfnisse sowie eine Ungleichbehandlung gegenüber dem älteren Bruder. Hierzu ein paar Beispiele: Die Geschwister streiten oft, der ältere Bruder lehnt seine Schwester komplett ab. Die Eltern unternehmen nichts dagegen, lassen die Kinder den Streit allein ausfechten. Am Esstisch hat Samira keine Möglichkeit ihre Erlebnisse zu erzählen, der Bruder schreit dazwischen und verlangt die ganze Aufmerksamkeit. Die Eltern intervenieren nicht, lassen dem älteren Bruder den Platz und missachten die Bedürfnisse von Samira. Mit Sätzen wie «du bist eine wilde Bestie», «Du hast hier nichts zu sagen, du bist nur geduldet», «Kinder sind ein Klotz am Bein», «Du bist niemand», «was kannst du schon?!» usw. wertet die Mutter ihre Tochter beständig ab und beschämt sie. Den Bruder beschützt sie mit Aussagen gegenüber der Tochter wie: «Dein Bruder hat Angst vor dir», «dein Bruder schämt sich wegen dir». Es sind dabei nicht diese einzelnen Vorkommnisse, die eine traumatisierende Wirkung haben, sondern die Vielzahl an Vorkommnissen über viele Jahre hinweg (Diez Grieser, 2022, S. 53).

Samira wächst in einem narzisstischen Familiensystem auf. Sie ist sich dessen lange Jahre nicht bewusst. Erst nach dem Burnout und mit Unterstützung von aussen, realisiert Samira, dass ihre Mutter unter einer pathologischen narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet. Dies bedeutet, dass die Mutter ihr eigenes Interesse auf sich und nicht auf ihre Kinder richtet (Moore & Fine, 1967, S. 62; zit. in Dammann, 2012, S. 17). Zudem kann davon ausgegangen werden, dass es ihr praktisch unmöglich ist, eine liebevolle und tragende Beziehung einzugehen (Wardetzki, 2015, S. 18). Samira erleidet dadurch ein Entwicklungs- und Bindungstrauma woraus bei ihr eine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS) resultiert.


Trauma definieren Fischer & Riedesser (1998) als «ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen der Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt.» Aufgrund von einem #Trauma oder Traumata kann sich die Posttraumatische Belastungsstörung PTBS entwickeln, wenn die Erholung von den Beschwerden dauerhaft ausbleibt. Die PTBS zeichnet sich durch folgende Symptomtrias aus:

- Unfreiwillige Erinnerungsbilder

- Vermeidung von Situationen, die an die traumatische Situation erinnern könnten.

- Erregung (kann sich auch körperlich äussern z.B. in Magen- oder Kopfschmerzen).

Ein Entwicklungstrauma gehört nicht nur in die Kategorie PTBS, sondern in jene der kPTBS, komplexe posttraumatische Belastungsstörung. Erst 1992 wurde durch die amerikanische Psychiaterin Judith Herman für dieses Krankheitsbild der Begriff komplexe PTBS eingeführt.

Und erst seit Januar 2022 gibt es in der ICD-11 erstmals die eigenständige Diagnose komplexe posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS). Die Betroffenen der kPTBS leiden neben den Hauptsymptomen der klassischen PTBS zusätzlich unter Affektregulations-störungen, negativer Selbstwahrnehmung und Beziehungsstörungen. Daher bezeichnen wir hier im Blog die kPTBS als Entwicklungs- und #Bindungstrauma, weil die Entwicklung und Beziehungsfähigkeit betroffen sind.


Wie sich die Symptome des Entwicklungs- und Bindungstraumas bei Samira zeigen, in welchen Verhaltensweisen sie ersichtlich werden, welche Probleme sich im Leben von Samira manifestieren und welche gesundheitlichen Auswirkungen es hat, darauf gehen wir in den nächsten Blog-Beiträgen ein.



83 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comentários


bottom of page